Dokumentation

boykott-Aktionen gegen sportliche grossereignisse

Created with Sketch.

Olympia 1936:

Kleinere Boykottbewegungen in Skandinavien und Großbritannien sowie große Bewegung in USA aufgrund der antisemitischen Rassegesetze im Deutschen Reich. In den USA erzielt eine Petition gegen die Teilnahme eine halbe Million Unterschriften. Ach die American Athletic Union spricht sich für einen Boykott der Spiele aus. Avery Brundage, Vorsitzender des US-NOK (später wird er IOC-Präsident), selber Antisemit, kann sich bei Abstimmung im NOK durchsetzen, nachdem Deutschland die Teilnahme zweier „Halbjuden“ zugesagt hatte.

 

Olympia 1948:

Taiwan boykottiert die Spiele wegen der Teilnahme der VR China (dito 1976 und 1980).

 

WM 1958: 

Arabische und andere muslimisch geprägte Staaten in Asien weigern sich, in der WM-Qualifikation gegen Israel anzutreten. Israel ist damit ohne ein einziges Spiel für das Turnier in Schweden qualifiziert, doch verordnet die FIFA noch ein Quali-Spiel gegen Wales, das Israel verliert.

Der arabische Sportboykott gegen Israel führt dazu, dass die FIFA das Land vor den Turnieren 1954, 1962, 1966 und 1970 unterschiedlichsten, teils recht abstrusen Qualifikationsgruppen zuordnet. Als 1970 der asiatische Verband Israel definitiv von seinen Wettbewerben ausschließt, kommen die israelischen Fußballer in der UEFA unter.

 

WM 1966:

Unter den 16 Endrundenplätzen hat die FIFA 10 für Europa und 5 für Süd- bzw. Mittelamerika reserviert. Die gemeldeten Verbände aus Afrika, Asien und Ozeanien müssen um den einzigen verbliebenen Platz kämpfen. Nach ergebnislosen Nachverhandlungen mit der FIFA erklären alle 15 afrikanischen Länder ihren Rückzug aus der Qualifikation (ausgenommen Südafrika, das wegen der Apartheidpolitik von der FIFA suspendiert wird). So kämpfen am Ende nur Nordkorea und Australien um die Teilnahme.

 

Olympia 1968:

Afrikanische Staaten drohen mit Boykott, falls der Apartheid-Staat Südafrika teilnehmen darf (er wurde dann nicht eingeladen).

Olympic Project for Human Rights ruft wegen der Diskriminierung Schwarzer in den USA zum Boykott der Spiele auf.

Studenten im Austragungsland Mexiko wehren sich gegen Korruption und Repression und mobilisieren gegen die Spiele: „Wir wollen keine Olympischen Spiele, wir wollen eine Revolution.“ Polizei geht brutal gegen Studenten-Demo vor, vermutlich 250 werden erschossen bei einer Kundgebung auf dem Unigelände einige Tage vor Beginn der Spiele. Tausende werden anschließend eingesperrt und gefoltert. Für das IOC ist das kein Thema.

 

WM 1974:

Die UdSSR muss in der Qualifikation gegen Chile antreten, wo ein blutiger Militärputsch die gewählte Regierung Allende gestürzt hat. Austragungsort des Spiels in Chile soll das Nationalstadion sein, in dem Regierungsgegner gefangen gehalten und gefoltert worden waren. Die UdSSR-Fußballer weigern sich, dort anzutreten und werden von der FIFA disqualifiziert (bzw. das Spiel wird 2:0 für Chile gewertet).

 

Olympia 1976:

33 afrikanische Staaten boykottieren die Spiele, nachdem sich das IOC geweigert hat, Neuseeland auszuladen. Anlass sind das Fortbestehen der Sportbeziehungen zwischen Neuseeland und Südafrika sowie vor allem eine Tournee der Rugby-Nationalmannschat All Blacks durch den Apartheid-Staat, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt brutal gegen Apartheid-Gegner im eigenen Land vorgeht.

 

WM 1978:

Im Austragungsland Argentinien selbst sowie in zahlreichen (meist europäischen) Ländern kommt es zu Protestbewegungen gegen die brutale Militärdiktatur. Motto: „Fußball ja, Folter nein!“ Der niederländische Verband erwägt einen Boykott.

 

Olympia 1980:

USA und 65 weitere Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, boykottieren die Spiele in Moskau. Anlass dafür ist die Invasion sowjetischer Truppen ab Dezember 1979 im von Bürgerkrieg erschütterten Afghanistan. Der Bürgerkrieg wurde damit allerdings nicht beendet, sondern angefacht, stärkte die Islamisten und kostete eine Million Tote.

 

Olympia 1984:

Die Sowjetunion und 12 weitere Staaten, darunter die DDR, boykottieren die Spiele in Los Angeles. Vorangegangen waren der Abschuss einer südkoreanischen Passagiermaschine im sowjetischen Luftraum und darauf folgend die Aktivitäten konservativer Aktivisten in Kalifornien mit dem Ziel, sowjetische Athleten von internationalen Sportereignissen auszuschließen und stattdessen zur Flucht zu ermuntern.

 

Olympia 2000:

Im Austragungsland Australien breite Protestbewegung gegen die Spiele, insbesondere initiiert von Teilen der Aborigines. Die globalisierungskritische „Anti-Olympic Alliance“ umfasst linke Gruppen und das Rote Kreuz oder die Heilsarmee gleichermaßen. Während der Spiele versanden die Proteste.

 

Olympia 2010:

Breite Proteste gegen die Winterspiele in der Austragungsregion Vancouver. Anlass sind die Diskriminierung der Natives, die Weigerung des IOC, ein Frauen-Skispringen durchzuführen, sowie die ausufernden Kosten der Veranstaltung. Die „No Games 2010 Coalition“ errichtet Zeltstädte und betreibt einen Piratensender.

"Bekenntnis der fifa zu den menschenrechten"

Created with Sketch.

(Offizielle Erklärung vom Mai 2017)

 

1. 

Die FIFA bekennt sich zur Einhaltung der Menschenrechte gemäss den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen. 

 

2. 

Zum Bekenntnis der FIFA zählen alle international anerkannten Menschenrechte, einschliesslich der Rechte, die in der Internationalen Charta der Menschenrechte (bestehend aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) und der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit verankert sind. Bei möglichen negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte von Angehörigen bestimmter Gruppen oder Bevölkerungsteile, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, berücksichtigt die FIFA auch andere internationale Standards und Grundsätze, die die Rechte dieser Personen ausführen, ein-schliesslich insbesondere der Standards, die indigene Völker, Frauen, nationale, ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten, Kinder, Menschen mit Behinderung, Arbeitsmigranten und ihre Familien sowie Menschenrechtsaktivisten betreffen. Wenn sich ihre Tätigkeiten auf Gebiete mit bewaffneten Konflikten ausdehnen, befolgt sie auch die Standards des humanitären Völkerrechts. 

 

3. 

Getreu den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ergreift die FIFA auf der Grundlage tiefgehender Sorgfaltsprüfungen Massnahmen, um im Rahmen ihrer Tätigkeiten weder negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu verursachen noch zu solchen beizutragen und etwaige Auswirkungen zu bekämpfen und zu korrigieren. Die FIFA ist zudem bestrebt, negative Auswirkungen auf die Menschenrechte, die über ihre Geschäfts-beziehungen einen direkten Bezug zu ihren Tätigkeiten, Produkten oder Dienstleistungen haben, zu vermeiden oder einzudämmen, selbst wenn sie nicht zu diesen Auswirkungen beigetragen hat. In Übereinstimmung mit den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte macht die FIFA, wann immer es im Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf die Menschen-rechte aufgrund ihrer Geschäftsbeziehungen nötig ist, ihren Einfluss geltend und versucht, diesen noch stärker zur Geltung zu bringen. Zu diesem Zweck prüft und nutzt die FIFA alle Optionen, die ihr bei diesen Beziehungen zur Verfügung stehen. 

 

4.

Die FIFA ist bestrebt, über ihre Pflicht zur Einhaltung der Menschenrechte gemäss UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hinauszuge­hen, indem sie Massnahmen ergreift, um die Menschenrechte zu schützen und deren Achtung positiv zu beeinflussen, insbesondere wenn sie ihren Einfluss geltend machen kann, um die Achtung der Menschenrechte zu verbessern, oder es die Förderung der Menschenrechte im oder durch den Fussball betrifft. 

 

5. 

Angesichts der Besonderheit ihrer Tätigkeiten entstehen negative Auswirkun­gen auf die Menschenrechte wahrscheinlich in erster Linie über die Beziehun­gen der FIFA mit anderen Unternehmen. Zu den grössten Menschenrechtsrisiken der FIFA gehören u. a.: 

Arbeitnehmerrechte: Die FIFA-Tätigkeiten sind personalintensiv. Die FIFA beschäftigt direkt mehrere hundert Personen. Ein Bezug zu Arbeitskräften besteht ferner über die Beziehungen der FIFA zu anderen Unternehmen und durch entsprechende Lieferketten, z. B. beim Bau von Stadien und Infrastruktur, bei der Bereitstellung von Unterkünften, Getränken und Verpflegung oder bei der Herstellung von Lizenzprodukten. Die FIFA ist bestrebt, höchste internationale Arbeitsstandards einzuhalten und zu fördern, insbesondere die Grundsätze, die in den acht Hauptkonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation festgeschrieben sind. Sie hält sich in Bezug auf ihre eigenen Angestellten an entsprechende Verfahren und setzt sich dafür ein, dass Arbeitsstandards von ihren Geschäftspartnern und in direkt mit ihren Tätigkeiten verbundenen Bereichen, einschliesslich Lieferketten, eingehalten werden. 

Erwerb von Grundstücken und Wohnrechte: Der Bau von Infrastruktur für FIFA-Wettbewerbe sowie von Infrastruktur, die Mitgliedsverbände mit FIFA-Mitteln finanzieren, umfasst oft den Erwerb von Grundstücken. Auch wenn die Zuständigkeit dafür in erster Linie bei der Regierung des Landes liegt, in dem der jeweilige Wettbewerb stattfindet oder der für das Projekt zuständige Mitgliedsverband seinen Sitz hat, erwartet und fördert die FIFA die Einhaltung internationaler Menschenrechtsstandards, wenn der Grundstückserwerb Enteignungen und insbesondere die Umsiedlung von Menschen vorsieht. 

Diskriminierung: Diskriminierung ist im Fussball auf und neben dem Platz ein Problem. Die FIFA ist bestrebt, innerhalb der Organisation und bei all ihren Tätigkeiten ein diskriminierungsfreies Umfeld zu schaffen. Mit wirksamen Kontroll- und Vollzugsmechanismen bekämpft sie jede Form von Diskriminierung nach Massgabe von Art. 4 der FIFA-Statuten, wonach jegliche Diskriminierung eines Landes, einer Einzelperson oder von Perso­nengruppen aufgrund von Hautfarbe, ethnischer, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand, sexueller Orientierung oder aus einem anderen Grund verboten ist. Die FIFA achtet zudem besonders auf geschlechtsspezifische Ungleichbehandlungen, um diese zu bekämpfen, fördert die Gleichstellung von Frau und Mann und beugt allen Formen von Belästigung, einschliesslich sexueller Belästigung, vor. 

Sicherheit: Der Schutz von Personen, die an FIFA-Veranstaltungen teil­nehmen oder anderweitig daran beteiligt oder davon betroffen sind, kann bestimmte Grundrechte, wie das Recht auf Freizügigkeit, auf freie Meinungsäusserung oder auf Versammlungsfreiheit, tangieren. Die FIFA verpflichtet sich, zur Minderung solcher Auswirkungen mit den zustän­digen staatlichen und privaten Stellen im Gastgeberland zusammenzuar­beiten, um zu gewährleisten, dass die Auswirkungen wirklich nötig und verhältnismässig sind, und auf gerechtfertigte Sicherheitsbedenken einzu­gehen. Die FIFA ist bestrebt, ihren Einfluss bei den zuständigen Behörden zu nutzen, damit alle öffentlichen und privaten Stellen, die für FIFA-Veran-staltungen Sicherheitsleistungen erbringen, so geschult werden, dass sie ihre Aufgaben gemäss internationalen Sicherheits- und Menschenrechtss­tandards erledigen können. Die FIFA integriert diese Standards zudem in ihre Beziehungen zu privaten Sicherheitsunternehmen, die Teil ihrer Liefer­kette sind. 

Spielerrechte: Die oft kurze Karriere eines Profifussballers kann eine Gefahr für die Menschenrechte der Spieler, insbesondere hinsichtlich ihrer Beschäf­tigung und ihres Transfers, darstellen. Dies betrifft u. a. die rechtzeitige Zahlung von Gehältern, Doping und Spielmanipulation. Der grosse Traum von einer Profikarriere und finanzielle Verlockungen können ebenfalls negative Auswirkungen auf die Menschenrechte begünstigen, insbeson­dere bezüglich Handel und anderer Missstände im Zusammenhang mit Minderjährigen. Die FIFA verpflichtet sich, zum Schutz der Rechte von Fussballern beizutragen, überprüft die bestehenden Reglemente und Ver­fahren laufend und erwägt gegebenenfalls zusätzliche Massnahmen, um den entsprechenden Risiken zu begegnen. 

 

6. 

Die FIFA verankert ihr Bekenntnis zur Einhaltung der Menschenrechte nach Massgabe des nachfolgenden Menschenrechtsmodells innerhalb der Organisa­tion und nimmt fortlaufend Sorgfaltsprüfungen vor, um das Risiko einer Betei­ligung an negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte zu erkennen, zu bekämpfen, zu beurteilen und zu melden. Die FIFA verpflichtet sich, bei nega­tiven Auswirkungen auf die Menschenrechte, die sie verursacht hat oder zu denen sie beigetragen hat, Wiedergutmachung zu leisten oder auf eine solche hinzuwirken sowie den Betroffenen Zugang zu Wiedergutmachung zu ver­schaffen, wenn sie über ihre Beziehungen zu Dritten anderweitig mit negati­ven Auswirkungen auf die Menschenrechte im Zusammenhang steht, und prüft zu diesem Zweck alle Optionen, die ihr zur Verfügung stehen. 

 

7. 

Wenn nationale und internationale Gesetze, Vorschriften und Menschen­rechtsstandards voneinander abweichen oder sich widersprechen, befolgt die FIFA unter Einhaltung nationaler Gesetze und Vorschriften den höheren Stan­dard. Wenn nationale Risiken die Möglichkeiten der FIFA, die Einhaltung inter­national anerkannter Menschenrechte zu garantieren, einschränken, arbeitet die FIFA konstruktiv mit den zuständigen Behörden und anderen Interessen­gruppen zusammen und unternimmt alles, um ihre internationalen Menschen­rechtspflichten weiterhin einzuhalten. 

Sklavenarbeit WM 2022