12 anstöße zur männerfußball-wm in katar

he torwart, 

wenn du mit deinen gekonnten

paraden glänzt sonnt sich auch

der emir im glanz deines könnens


he rechter verteidiger,

welche menschenrechte verteidigst du

gegen die angriffe derer

die die menschenrechte entrechten?


he studierter innenverteidiger, 

du studierst den gegner genau

schau auf die frau in katar

die nur mit erlaubnis vom mann

studieren und heiraten kann


he heißer innenverteidiger, 

zur richtigen zeit gehst du

wirklich zur sache und richtig drauf

wie gingen die nepalesen an

in den heißen tagen wirklich drauf?


he linker verteidiger,  

soll uns dein around-the-world-dreh

die augen verdrehn wenn wir

auf das drehkreuz der neusklaven sehn?


he mann im mittelfeld, 

wie passt dein pass zum freien mann

zum eingezogenen pass ohne

den kein arbeitsmann

das land verlassen kann?


he freier mittelfeldspieler,

dein pass in den freien raum

überspielt zwölf arbeiter

in einem raum ohne

dusche klo und traum


he rechter außenstürmer, 

wie viele tote arbeiter

übersteigst du

mit einem einzigen übersteiger?


he drängender mittelstürmer,

du dringst mit deinem roulette

todsicher in den strafraum ein

warum dringst du nicht auf strafen

für die tötenden bestrafer?


he bodygecheckter stürmer, 

du spielst klimatisiert für millionen

wer sonst noch kann seinen körper

bei 45 grad mit hitzeschutz schonen?


he linker außenstürmer, 

warum ignorierst du nicht 

das spiel und gießt blut

aus deinem rainbow über

die banden der werbeignoranten?


he schreiendes publikum, 

warum schreist du auf wenn

der spielermillionär sich im schrei verletzt?

hör still auf die stimmen der toten -

hier und jetzt!


Johann Voß

www.johannvoss.de

Der folgende Offene Brief wurde am 8. November 2022 an den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf geschickt:

Offener Brief an den Deutschen Fußball-Bund

zur Einrichtung eines Entschädigungsfonds für Arbeitsmigrant:innen

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wurde nur möglich durch den Einsatz von Hundertausenden Arbeitsmigrant:innen, die größtenteils unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften mussten und von denen unzählige zu Tode kamen.

Menschenrechtsorganisationen fordern daher von der FIFA Entschädigungszahlungen in Höhe von 440 Millionen US-Dollar für betroffene Arbeitsmigrant:innen und deren Angehörige. Diese Summe entspricht den Preisgeldern, die die FIFA an die teilnehmenden Fußballverbände ausschütten will.

Dieser Forderung schließen wir uns an. Der DFB-Präsident hat zugesagt, innerhalb der FIFA für die Einrichtung eines entsprechenden Entschädigungsfonds einzutreten. Der DFB sei bereit, diesen Fonds mitzufinanzieren. Wir begrüßen das ausdrücklich.

Sollte die FIFA sich dieser Idee verweigern, so erwarten wir vom DFB, dass er seine Preisgelder (je nach Platzierung zwischen 9 und 42 Millionen Dollar) eigenständig für Entschädigungszahlungen verwendet. Für den gleichen Zweck sollten die DFB-Nationalspieler etwaige Siegprämien spenden.

 

Erstunterzeichner

Initiative #BoycottQatar2022

Netzwerk !NieWieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball

Fanverband Unsere Kurve

Queer Football Fanclubs QFF

Schalker Fan-Initiative e.V. – Schalker gegen Rassismus

Gesellschaftsspiele e.V.

FC Ente Bagdad

Blau-Weiss statt Braun e.V. – KSC-Fans gegen Nazis

Fanblog Fortuna Brötchen

SC Aleviten Paderborn e.V.

 

Weitere Unterzeichner

FC Internationale Berlin 1980 e. V.

KZ Gedenkstätte Dachau

Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.

AG Fananwälte

SV Borussia Leer

Roter Stern Nordost Berlin e.V.

SSV Meiswinkel 1948

FAIReinskultur - gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Fair Play im und durch Sport

Der SC Freiburg ist BUNT nicht braun

Schlüsselkinder 79 (Fanclub SC Freiburg)

Ihrefelder Geißböcke von 2001

Grenzenlos Eisern (Fanclub Union Berlin)

Eiserne Hilfe (Fanclub Union Berlin)

Köpenicker Bären (Fanclub Union Berlin)

15 Flitzpiepen (Fanclub Union Berlin)
Union Rebellen (Fanclub Union Berlin)

Torpedo Rot-Weiß (Fanclub Union Berlin)

Eiserner V.I.R.U.S. e.V. (Fanclub Union Berlin)

Rot-Blau.com (Fanclub Wuppertaler SV)

Fanclub Triple-Winners Biessenhofen

Black Eagles Aachen
Buchhandlung BiBaBuZe (Düsseldorf)
Westwärts (Rockgruppe)

Brennpunkt Orange (Fußballpodcast)

...in den Lauf. Fußball.Fans.Kultur - die Fußball AG der Aktion 3.Welt Saar e.V.

Sektion Spielsucht - Fanszene TuS Lindlar

Fargo (Berliner Fußballkneipe)

Sportsbar OZ (Oschatz)

Kultur- und Schankwirtschaft BAIZ (Berlin)

fussballimTV.de

fussballerzitate.de
AWO Bezirk Westliches Westfalen e.V.
Dauerbrenner (Fangruppe SV Babelsberg 03)

Aufruf zu Aktionen vor der WM in Katar

Am 8./9. sowie am 11./12. November finden die letzten Bundesligaspiele statt, bevor in Katar das Weltmeisterschaftsturnier 2022 eröffnet wird.

Dieses Turnier ist ein dem Fußball unwürdiges Vorhaben. Durch das autokratische Regime in Katar und das korrupte, profitorientierte Vorgehen der FIFA werden nahezu alle Gebote der sportlichen und politischen Fairness verletzt.

Die überwältigende Mehrheit der Fußballfans lehnt dieses Turnier daher ab. An den letzten beiden Spieltagen vor Eröffnung des Turniers sollte dies noch einmal deutlich sichtbar werden.

Wir rufen deshalb alle Fans auf, ob Kreisklasse oder Bundesliga, ob im Stadion oder außerhalb, ihre Ablehnung zu demonstrieren: ob mit Transparenten, Choreos oder anderen Mitteln. Wir wollen laut und unmissverständlich sagen:

Diese Weltmeisterschaft ist #NichtUnsereWM

Initiative #BoycottQatar2022

Netzwerk !NieWieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball

Pro Fans

Queer Football Fanclubs QFF

Schalker Fan-Initiative e.V. – Schalker gegen Rassismus

Gesellschaftsspiele e.V.

FC Ente Bagdad

Blau-Weiss statt Braun e.V., KSC-Fans gegen Nazis

Die ARD redet die WM in Katar schön

„Jaaaa!“ So überschreibt die ARD ein Sonderheftchen, das jetzt an potentielle Werbekunden verschickt wird. Unter dem jubelnden „Jaaaa!“ steht noch: „Fußball-WM im Ersten: Siegreiche Marken dank Reichweiten-Boost“.

Es geht also darum, das Turnier zu vermarkten. Die 214 Millionen Euro, die die öffentlich-rechtlichen Anstalten laut „Spiegel“ für die Sendereche bezahlt haben, müssen sich schließlich rentieren. „In ganz Deutschland werden die Fans mitfiebern“, versprechen die ARD-Macher. Und: „Außergewöhnlich“ sei das Turnier in Katar. Damit gemeint sind nicht die menschenverachtenden Bedingungen, unter denen im autokratisch regierten Katar für Hunderttausende Arbeitsmigant:innen leiden, auch biem Bau der WM-Stadien.

„Außergewöhnlich“ finden die ARD-Werbeprofis vielmehr die WM-Termine: Zum einen ein Turnier im November und Dezember, das sei doch die „klassische Vorweihnachtszeit“, wo man „in emotionalen Umfeldern mit hoher Nettoreichweite werben“ könne. Und zum anderen die Anstoßzeiten am Nachmittag, das sei doch erst recht super: Alles, was vor 20 Uhr läuft, sei schließlich „vollumfänglich werblich nutzbar“. Den Werbewert erhöhen würden nicht nur „die beste ARD-Mannschaft“ an Reporter:innen, sondern auch „eine Show mit Julia Scharf“. Das alles sorge für einen „positiven Image-Transfer“ – „Jaaa!“

Eher schamhaft wird erwähnt, dass die ARD „auch über das Ausrichterland Katar“ berichten werde, in einer Doku, die vorsichtshalber eine Woche vor WM-Beginn ausgestrahlt wird. Nichts soll den schönen Schein und den „positiven Image-Transfer“ stören, die Werbekunden sollen nicht vergrault werden. Überhaupt seien die Fans schon ganz gespannt und optimistisch: Laut ARD-Werbeheft trauen 80 Prozent der Fans der DFB-Elf das Viertelfinale zu, 50 Prozent das Halbfinale. Dass die Mehrheit der Fans das Turnier in Katar laut Umfragen ablehnt, wird lieber nicht erwähnt. 

Übrigens: natürlich soll jemand die WM in Deutschland schauen können, wenn er/sie denn will. Wir haben hier schließlich keine Zensur wie in Katar. Nur sollten wir von den Öffentlich-Rechtlichen etwas anderes erwarten als die Jubel-Berichterstattung, die sich da andeutet.

Katar 2022 – NICHT UNSERE WM!

Der Protest nimmt Fahrt auf

Samstag, 24. September 2022, 18 Uhr (pünktlich)

Haus am Dom, Domplatz 3, Frankfurt am Main

 

Die Fußballweltmeisterschaft der Männer findet 2022 in einem Land statt, in dem Homosexuelle und die gesamte LGBTIQ-Community verfolgt, Frauen diskriminiert und Millionen Arbeitsmigrant:innen in sklavenähnlichen Verhältnissen ausgebeutet werden. Aus Katar berichten migrantische Arbeiter:innen, Menschenrechts-Aktivist:innen und Gewerkschafter:innen von ihren Erfahrungen und ihren Kämpfen um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen.

In den vergangenen Monaten sind auch die Proteste von Fans und Menschenrechts­organisationen zahlreicher und intensiver geworden. Je näher das Turnier rückt, desto lauter werden sie. Zwei Monate, bevor die WM angepfiffen wird, wollen wir in einer großen Veranstaltung die gemeinsame Ablehnung unterschiedlicher Fan­gruppierungen ausdrücken, verschiedene Aktionsformen vorstellen und die heiße Phase der Proteste einläuten.

Eine Veranstaltung von

Unsere Kurve, Nie Wieder (Initiative Erinnerungstag im Deutschen Fußball), Gesellschaftsspiele und #BoycottQatar2022                    

                                     

In Kooperation mit 
KOS Koordinationsstelle Fanprojekte und der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Programm

1. Gesprächsrunde: Von Katar berichten

Malcolm Bidali: ehemaliger migrantischer Arbeiter in Katar und Mitgründer von Migrant Defenders, Kenia

Binda Pandey: Vertreterin des nepalesischen Gewerkschaftsdachverbands (GEFONT) bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

Jeevan Taramu: Arbeiter und Berater der Zweigstelle des GEFONT in Katar

Krishna Shresta: Arbeiter und Vertreter des nepalesischen Migrant Workers Network in Katar

Jeevan KC: Mitglied Migrant Workers Network in Katar und Supervisor auf den Baustellen in Katar 

Moderation: Benjamin Best (Journalist, WDR – Sport Inside)

(Dank an die Rosa-Luxemburg-Stiftung für die Vermittlung der Arbeitsmigrant:innen im Rahmen der von ihr organisierten zweiwöchigen Speakers Tour „Reclaim the Game. WM 2022 in Katar: Foulspiel mit System)

 

2. Gesprächsrunde über Notwendigkeit und Form der Proteste

Annabell Kolbe: F_in – Netzwerk Frauen im Fußball

Dario Minden: Unsere Kurve

Katja Müller-Fahlbusch: Amnesty International Deutschland

Andreas Rettig: ehem. DFL- und Bundesliga-Manager

Moderation: Mara Pfeiffer (Journalistin – „Die Wortpiratin“)

 

Einlass ab 17:30 Uhr, Beginn 18:00 Uhr, die Veranstaltung wird pünktlich anfangen, weil sie live gestreamt wird.

Anschließend informeller Austausch. Für Getränke ist gesorgt.

 

Am Rande: Fotoausstellung „Forgotten Team“ von Mohamed Bardane

 

Link zum Live-Stream: https://www.youtube.com/watch?v=0IiYfb_8c8o

SV Babelsberg 03 mit Beschluss gegen WM in Katar

Auf einer Mitgliederversammlung im Juni 2022 wurde beim Regionalligisten SV Babelsberg 03 mit großer Mehrheit der folgende Beschluss zur WM 2022 gefasst. Er ist großartig und sollte Vorbild für andere Vereine sein, weil er es nicht bei Worten bewenden lässt, sondern konkrete Maßnahmen vorsieht (Verzicht auf Public Viewing, Werbebande mit Anti-WM-Botschaft), die momentan umgesetzt werden.

 

Vom 21. November bis 18. Dezember 2022 soll in Katar die 22. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer ausgetragen werden. In einem Land, in dem Homosexualität gesetzlich verboten ist; in einem Land, in dem Frauen systematisch benachteiligt werden; in einem Land, in dem Hunderttausende Arbeitsmigrant*innen – meist Bauarbeiter und weibliche Hausangestellte – unter elenden, teils sklavereiähnlichen Bedingungen schuften; in einem Land, in dem es keine politischen Parteien und keine allgemeinen Gewerkschaften gibt; in einem Land, in dem eine Familiendynastie herrscht und Kritik am Herrscherhaus unter Strafe steht.

Das alles haben die Funktionäre des Fußball-Weltverbandes FIFA gewusst oder wissen können, als sie im Dezember 2010 die WM an den Golfstaat vergeben haben. Gegen alle offiziellen Verlautbarungen haben sich die Menschenrechtslage wie auch die Arbeitsbedingungen für migrantische Arbeiter*innen seitdem nicht wesentlich verbessert. Im Gegenteil: In der Zwischenzeit sind Tausende von ihnen gestorben.

Die Verbindung zwischen dem Fußballweltverband und autokratischen Herrschern ist nicht neu, aber nun ist es zu viel. Wir können und wollen nicht akzeptieren, dass Tausende von Menschen ihre Gesundheit ruinieren oder ihr Leben lassen, damit wir einer Weltmeisterschaft unseres geliebten Sports beiwohnen können. Nein, das ist nicht unsere WM!

Wir werden deshalb nicht wie sonst Public Viewing anbieten. Stattdessen werden wir in der ersten Hälfte der Regionalligasaison 2022/23 eine Bande im Karl-Liebknecht-Stadion mit unserem Protest („Katar 2022 – Nicht unsere WM!“) anbringen und alternative Fußballaktivitäten vor und während des Turniers nach Kräften unterstützen, um auch in der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass wir uns den Fußball nicht von profit- und machtgierigen Funktionären und Potentaten ruinieren lassen.

Wir unterstützen die Forderung von Human Rights Watch, Amnesty International und anderen an die FIFA, einen Entschädigungsfonds in Höhe von mindestens 440 Millionen US-Dollar einzurichten, um Arbeitsmigrant*innen, deren Rechte in Katar verletzt worden sind, zu entschädigen. Das macht die Toten nicht lebendig, aber hilft, das Leid der Angehörigen etwas zu lindern. Und wir begrüßen die Bereitschaft des neuen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf, sich für einen Wiedergutmachungsfonds einzusetzen und sich daran zu beteiligen.

Diskussion bei Amnesty International über einen Boykott der WM in Katar

Bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab es bei der Jahresversammlung 2022 eine Diskussion darüber, ob zur WM in Katar ein Boykott gefordert werden soll. Dazu verfasste eine Gruppe von Amnesty-Mitgliedern die folgende Stellungnahme.

 

Verpasste Chance: Amnesty weiterhin gegen Boykott der Katastrophen-WM 

Amnesty International leistet seit Jahren hervorragende Recherchearbeit, um die im Zusammenhang mit der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Herren stattfindenden, massiven Menschenrechtsverletzungen in Katar aufzudecken und öffentlich zu machen. Trotz Ausbleiben der von FIFA und Katar versprochenen Fortschritte und immer neuen, katastrophalen Enthüllungen hält die Organisation jedoch weiterhin an ihrer Position fest und setzt auf Dialog und Diplomatie, statt sich der Boykottbewegung anzuschließen. Das bleibt vorerst auch so. 

Am Pfingstwochenende tagte die Jahresversammlung von Amnesty International Deutschland, bei der unter anderem auch die Katar-Position verhandelt wurde. Im Rahmen eines Diskussionsforums stellte Patrick Jelen von #BoycottQatar2022 die Forderungen der Kampagne vor, die im Publikum eine breite Unterstützung fanden. Dennoch konnte die Boykottforderung in einer separaten Diskussion um einen entsprechenden Antrag an die Versammlung keine Mehrheit erzielen. Statt konkrete Schritte einzuleiten und den Druck auf FIFA und DFB massiv zu erhöhen, wurde der schließlich beschlossene Text in abgeschwächter Form und ohne jeglichen Bezug zur Weltmeisterschaft in Katar beschlossen. 

Der Beschluss sieht nun einen internationalen Prozess vor, der eine Positionierung bezüglich Sportgroßveranstaltungen perspektivisch erleichtern soll - ein zahnloser Tiger, der für die Weltmeisterschaft der Schande im Dezember schlichtweg bedeutungslos ist. In unseren Augen zeugt diese Verwässerung von mutloser Entscheidungsunfähigkeit. Die von Amnesty aufrechterhaltene Position verkennt, dass die Strategie des Dialogs bereits 2010 in Südafrika, 2014 in Brasilien und 2018 in Russland krachend gescheitert ist und nicht zur Verbesserung der Menschenrechtslage vor Ort beigetragen hat. Als 47-Rights-Kollektiv stehen wir an der Seite der vielen kritischen Fußballfans und fordern, dass sich die DFB-Elf unter den aktuellen Bedingungen auf keinen Fall für das FIFA-Sportswashing-Spektakel hergeben darf.

Amnesty-Kollektiv 47-Rights

ProFans fordert vom DFB Mitgliederbefragung über WM-Teilnahme


Der Fanverband ProFans hat schon vor einiger Zeit den DFB aufgefordert, auf eine Teilnahme an der WM in Katar zu verzichten. Ende Mai folgte eine neue Aktion: Der DFB soll seine Mitglieder über eine Teilnahme abstimmen lassen. Es heißt in dem Offenen Brief: "Wir fordern hiermit den DFB auf, zur Frage der Teilnahme an der WM in Katar eine Befragung unter allen sieben Millionen mittelbar dem DFB zugehörigen Menschen durchzuführen und das Ergebnis öffentlich zu machen." Gute Aktion. Wer mag, sollte beim DFB mal nachfragen, wie er zu dieser Form interner Demokratie steht...

Hier ist der gesamte Brief zu lesen: http://www.profans.de/

Tagung in Frankfurt 28.5.2022!

 

Um die Proteste gegen die WM 2022 in Katar besser zu vernetzen und zu bündeln, möchten wir am 28. Mai in Frankfurt/M. eine Tagung mit mehreren Workshops durchführen. Es geht um die Menschenrechtssituation in Katar, um Entscheidungsstrukturen in der FIFA und vor allem um Ideen für aktiven Protest gegen die WM.
 
 Um eine breite Plattform zu finden, haben wir von #BoycottQatar2022 uns für diese Veranstaltung mit starken und kompetenten Partnern zusammengetan: 

  • mit der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), 
  • dem Netzwerk „!NieWieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“, 
  • dem Fanverband Unsere Kurve e.V. 
  • und dem Verein Gesellschaftsspiele e.V. 


Die Tagung steht unter dem Motto „Nicht unsere WM!“. Nähere Infos findet ihr in der Einladung, zu der euch der folgende Button führt: 

 

Hier geht könnt Ihr den Veranstaltungs-Reader herunterladen!

 

Dort gibt es auch einen Link, über den ihr euch anmelden könnt. Teilnehmen kann jede/r, gerne auch alle, die in Fangruppen, Fanprojekten oder Menschenrechtsgruppen aktiv sind. Wir würden uns sehr über eine rege Teilnahme freuen – das kann den Aktivitäten gegen die WM in Katar noch einmal richtig zusätzlichen Schwung verleihen! 


Auch hier geht es zur Anmeldung: nicht-unsere-wm@unserekurve.de 

Boykott aktiv: #back2bolzen

Seit Vergabe der Fußball WM 2022 an Katar herrscht Aufruhr rund um die Ausrichtung des Turniers.

Die Kampagne #Back2Bolzen unterstützt den Fan-Boykott und die Initiative BoycottQatar2022. Sie lädt ein zum Gemeinsamen-aktiv-Werden vor und insbesondere während der Weltmeisterschaft.

Angeregt wurde die Kampagne von der Schalker Fan-Initiative, doch soll es keineswegs als „Schalker Angelegenheit“ verstanden werden. Alle können und sollten bei dieser tollen Kampagne durch eigene Aktionen mitmachen.

In dem Aufruf heißt es daher: „Werdet aktiv und organisiert euch! Egal ob ein kleiner Kick mit Freunden, Tischfußball oder der Support des heimischen Kreisliga Vereins.“

Näheres hier: https://www.back2bolzen.de

Allerlei Beschlüsse gegen das WM-Turnier in Katar

Im Herbst 2021 hat es in einigen Organisationen klare Beschlüsse gegen die Durchführung der WM 2022 im Emirat Katar gegeben. Für Interessierte und möglich Nachahmer*innen hier einige Links zum Wortlaut der Beschlüsse:

 

SPD Berlin: Der Landesparteitag stimmte mit großer Mehrheit für einen Boykott der WM:

https://parteitag.spd.berlin/cvtx_antrag/kein-fussball-den-menschenrechtsverletzerinnen-fussball-wm-der-maenner-in-katar-boykottieren/

 

Vor einiger Zeit schon hatte die Evangelische Jugend im Rheinland (EJiR) eine Resolution pro Boykott beschlossen, siehe:

https://ejir.de/wp-content/uploads/2021/09/Beschluss_1_DK_09_21_Boykott-der-WM22.pdf

Diese Position der Ev. Jugend im Rheinland wurde zur Grundlage für den Beschluss der Synode der Evangel. Kirche Deutschlands, der in der Tendenz klar ist, aber die Forderung nach einem Boykott nicht explizit aufgreift:

https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/Beschluss-zur-Einhaltung-der-Menschenrechte-als-Bedingung-fuer-die-Vergabe-von-sportlichen-Grossveranstaltungen.pdf

Diesen Beschluss der EKD-Synode hat sich wiederum die aej (Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland) mit drei Zusätzen zu eigen gemacht. Einer der Zusätze lautet: „Die aej unterstützt alle, die eine individuelle Form des Boykotts wählen und die sportlichen Großveranstaltungen so nicht unterstützen“:

https://www.aej.de/fileadmin/user_upload/Die_aej/Gremien/Mitgliederversammlung/Beschluesse/2021_132._MV/B_6_2021_Boykott_der_WM_22.pdf

 

Schließlich hat die Pro-Europa-Partei Volt einen Beschluss veröffentlicht, in dem ein diplomatischer Boykott sowohl der WM 2022 wie der Olympischen Winterspiele in Peking gefordert wird:

https://www.voltdeutschland.org/presse/20211210-diplomatischer-boykott

WM in Katar? Ohne uns!

Zwölf Monate des Protestes gegen Menschenrechtsverletzungen und elende Arbeitsbedingungen


Ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bekräftigen wir unsere Kritik am Beschluss der FIFA, das Turnier in Katar auszutragen. Diese Entscheidung war 2010 falsch, als sie gefällt wurde, und sie ist heute genauso falsch. Sie dient lediglich finanziellen Interessen, nicht dem Fußball.


Mit der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft erhofft sich Katar einen Imagegewinn mittels Sportswashing. Die FIFA dient ihr dabei als willfähriger Partner. Dieses Zusammenspiel wollen wir nicht hinnehmen. Die zwölf Monate bis zum Turnierbeginn sollen ein Jahr des Protestes werden. In Veranstaltungen, eigenen Fußballturnieren, Bannern, Choreografien und anderen Aktionen werden wir die Situation in Katar thematisieren und die Politik der FIFA kritisieren. Wir werden uns dem Spektakel, das dem Fußball die Seele raubt, verweigern.

Gründe gibt es genug

Die politischen und sozialen Verhältnisse in Katar widersprechen eklatant den Grundsätzen der Menschenrechte, wie sie von der UNO formuliert und von der FIFA übernommen wurden. Die Hoffnung, dass sich diese Verhältnisse mit zunehmenden internationalen sportlichen Kontakten verbessern, hat sich nicht substanziell erfüllt. Das politische System ist autoritär, ein Parlament mit gesetzgeberischen Befugnissen existiert nicht, Parteien sind verboten. Meinungs- und Religionsfreiheit sind stark eingeschränkt, Frauen bleiben benachteiligt, Homosexualität wird weiterhin verfolgt. Die Pressefreiheit ist nach dem Urteil von Reporter ohne Grenzen in den vergangenen Jahren sogar weiter eingeschränkt worden.


Die Situation der Millionen Arbeitsmigrant*innen hat sich ebenfalls nicht wesentlich verbessert. Die durchgeführten Arbeitsreformen greifen zu kurz und werden in vielen Bereichen gar nicht umgesetzt. Der eingeführte Mindestlohn von monatlich 230 Euro in einem der reichsten Länder der Welt ist absurd niedrig. Gewerkschaften oder ein Streikrecht existieren nicht; protestierende Arbeiter*innen wurden kriminalisiert. Es ist nicht zu erwarten, dass sich in den kommenden zwölf Monaten an diesen Verhältnissen noch etwas ändert.


Das WM-Turnier 2022 in Katar bleibt ein dem Fußball unwürdiges Vorhaben.

Initiative #BoycottQatar2022

sowie Schalker Fan-Initiative, Fanclubsprecherrat FC St. Pauli, Supporters Karlsruhe 1986 e.V., Übersteiger Pauli-Fanzine, Gesellschaftsspiele e.V. (Berlin), FC Ente Bagdad (Mainz), SC Aleviten Paderborn, Borussia Leer, Fanprojekt Lübeck, Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, ASAP Global Cup, Fortuna Brötchen (Düsseldorf), Fanclub Totale Offensive BVB, Der FC Freiburg ist BUNT nicht braun, S-LOK-E (Münster), Black Eagles (Aachen), Blau Weiss statt Braun - KSC-Fans gegen Nazis, Die eisernen Wildsäue (Union Berlin), FC Dynamo Windrad

Beschluss der Evangelischen Jugend im Rheinland:
Boykott der WM 2022 ?!

Die Evangelische Jugend im Rheinland kritisiert die Entscheidung der FIFA die WM 2022 in Katar stattfinden zu lassen. Sportlicher Wettbewerb soll dazu dienen, dass Menschen sich wertschätzend messen können und die Verständigung zwischen Nationen, Kulturen und Teams gefördert wird. Keinesfalls darf sportlicher Wettbewerb instrumentalisiert werden, um undemokratische Prozesse, Strukturen, Staaten und Institutionen zu legitimieren, aufzuwerten und (finanziell) zu fördern. Aus diesem Grundverständnis heraus und den grundsätzlichen Werten und Überzeugungen der Evangelischen Jugend im Rheinland folgend, ist es für die Evangelische Jugend im Rheinland nicht verantwortbar, die WM in Katar mit Veranstaltungen in der Form zu begleiten, wie es bei den bisherigen EMs und WMs üblich war.

 

Die EJiR sieht die Notwendigkeit, nicht nur ihrem Bildungsauftrag nachzukommen und jungen Menschen einen Zugang zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der WM zu ermöglichen, sondern auch das Bedürfnis junger Menschen nach gemeinsamen Erleben von Sport-Großveranstaltungen ernst zu nehmen und entsprechende Angebote zu gestalten.

 

Daher ermutigt sie Einrichtungen und Gemeinden, Aktionen und Projekte zur WM 2022 durchzuführen und diese konsequent zur Auseinandersetzung mit den kritischen Themen hinsichtlich der Vorbereitung und Durchführung der WM in Katar zu nutzen. Zu den kritischen Themen zählen unter anderem die Verletzung von Menschenrechten in Katar, die soziale Ungleichheit in Katar, die Korruption in Katar und in der FIFA und die Auswirkungen auf das Klima.

 

Darüber hinaus nimmt die EJiR eine bisher unkritische Auseinandersetzung des DFBs mit der Austragung der WM in Katar wahr. Sie fordert auch im DFB eine kritische Auseinandersetzung, die in einem Boykott der deutschen Fußballnationalmannschaft enden sollte.

 

Gleichzeitig ermutigt die EJiR Medien und Journalisten dazu, die WM nicht nur als reines Sportevent zu kommentieren und zu feiern, sondern die kritischen Punkte konsequent zu benennen und so einem Bildungsanspruch gerecht zu werden.

 

Die Delegierten der EJiR in Gremien außerhalb der EJiR werden gebeten, das Thema und die Haltung der EJiR in geeigneter Form in den anderen Gremien einzubringen. Der Vorstand wird gebeten die Beschaffung von Informationsmaterial zu koordinieren und diese den Mitgliedern zur Verfügung zu stellen. 

 

Beschlossen durch die Delegiertenkonferenz der Evangelischen Jugend im Rheinland am 26.09.2021

Anmerkungen zu den Wahlen in Katar

Anfang Oktober 2021 fanden in Katar die Wahlen zur Beratenden Versammlung (Schura-Rat) statt. Es wurde in den deutschen Medien sehr wenig darüber berichtet und fast nirgendwo kommentiert. Auch bei NGO’s wie Amnesty International liest mensch kaum etwas darüber. Das ist erstaunlich, schließlich stehen die politischen Verhältnisse in Katar seit langem im Fokus der internationalen Öffentlichkeit, und erstmals abgehaltene Wahlen sind ja nun keine Kleinigkeit. Zumal, was für Golfstaaten nicht gerade üblich ist, Frauen wählen und gewählt werden durften (aber nicht wurden).

Vermutlich herrscht eine gewisse Unsicherheit, ob diese Wahlen nun einen echten Schritt Richtung Demokratisierung darstellen oder ob sie die diktatorischen Verhältnisse nur formal legitimieren sollen. Dazu einige Anmerkungen.

 

K(l)eine Kompetenzen des Schura-Rates

Die Wahlen wurden ermöglicht durch ein Referendum im Jahr 2003; eigentlich sollten sie kurz danach stattfinden, doch wurden sie mehrfach verschoben. Allerdings können sie nicht mit einer in Demokratien üblichen Parlamentswahl verglichen werden. Der Schura-Rat genehmigt den Haushalt, kann Minister entlassen und hat ansonsten vor allem beratende Funktion, aber das auch nur eingeschränkt: Bei der Festlegung der Verteidigungs-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Investitonspolitik hat er kein Mitspracherecht. 

Auch dort, wo er abstimmen darf, ist seine Einflussmöglichkeit begrenzt. Das letzte Wort hat der Emir, der die Beschlüse des Schura-Rates genehmigen muss (oder auch nicht). Außerdem werden nur 30 der 45 der Ratsmitglieder gewählt, die übrigen 15 bestimmt der Emir. Das ist deswegen von hoher Bedeutung, weil der Rat seine Beschlüsse mit Zweidrittel-Mehrheit fassen muss. Das bedeutet: Gegen die Emir-Vertrauten sind faktisch keine Beschlüsse möglich, es sei denn, alle gewählten Vertreter sind sich in ihrer Opposition gegen den Emir ausnahmslos einig. Was ziemlich unwahrscheinlich ist.

 

Wenige dürfen wählen

Dass die Zusammensetzung des Rates nicht aus dem Ruder läuft, garantieren schon die Einschränkungen beim Kreis der Wahlberechtigten. Alle migrantischen Arbeiter*innen sind ausgeschlossen, da sie (wie auch ihre in Katar geborenen Kinder) die katarische Staatsbürgerschaft nicht erwerben dürfen, selbst wenn sie schon lange dort leben. Sie sollen schuften und nix zu sagen haben. Von 2,8 Millionen Einwohnern Katars haben nur 330.000 die Staatsbürgerschaft.

Und selbst diese Staatsbürger*innen dürfen nicht alle wählen. Erstens müssen sie mindestens 30 Jahre alt sein. Außerdem müssen sie nachweisen, dass ihre familiären Vorfahren schon vor 1930 konstant auf dem Gebiet des heutigen Katars lebten. Einige nomadische Stämme sind daher vom Wahlrecht ausgeschlossen. Was zu Protesten dieser Gruppen in den sozialen Medien führte – und diese Proteste laut Human Watch Rights wiederum zu Festnahmen von 15 Personen, weil sie „Sicherheit, Stabilität und Frieden der Gesellschaft“ gefährdet hätten. 

 

Politische (Un)Kultur

Nun könnte mit den ersten Wahlen dennoch die Hoffnung auf einen allmählichen Wandel einhergehen – wenn denn ein politisches Umfeld existiert, das diesen Wandel grundsätzlich ermöglichen würde. Das aber ist nicht der Fall. Der Willens- und Meinungsbildungsprozess der Öffentlichkeit ist vielmehr massiv eingeschränkt.

Parteien sind verboten (wie auch Gewerkschaften), was die Organisation politischer Strömungen jenseits der herrschenden Verhältnisse weitgehend verunmöglicht. Zudem ist die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Oppositionelle Medien gibt es faktisch nicht. Ein 2014 verabschiedetes Cybergesetz bedroht „Inhalte, die dem Land schaden könnten“, mit Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren. Genaue Ausführungsbestimmungen dazu existieren nicht, was – wie im Fall der Proteste gegen die Wahlen – staatlicher Willkür ein weites Feld eröffnet. Kritik am Emir und dem Herrscherhaus ist ohnehin verboten, Fälle von absurden Verurteilungen deswegen sind bekannt.

 

Imagepflege statt Demokratisierung

Internationale Organisationen, die die politische Entwicklung seit langem beobachten, widersprechen in ihrem Urteil deutlich jenen Optimist*innen, die (wie etwa Sylvia Schenk) Katar „auf einem guten Weg“ Richtung Demokratie sehen und alle internationalen Sportkontakte incl. WM dabei für höchst förderlich halten.

Die renommierte Institution „Freedom House“ bewertete das politische System in Katar noch in den 1980er Jahren als „teilweise frei“; seither ist es konstant als „nicht frei“ eingestuft. Im „Demokratie-Index“, den die britische Zeitschrift „The Economist“ ähnlich wie „Freedom House“ jährlich und weltweit misst, dümpelt Katar seit Jahren konstant auf dem 126. Platz und damit in der schlechtesten Kategorie „Autoritäres Regime“.

Noch aufschlussreicher das Urteil von „Reporter ohne Grenzen“. Als Katar 2008 seine Bewerbung für die WM startete, lag das Land im Ranking der Pressefreiheit auf einem soliden Mittelplatz: 74. von damals bewerteten 172 Staaten. Seither ist Katar – parallel zu den sich entwickelnden internationalen Sportkontakten – kontinuierlich abgerutscht. Als der FC Bayern 2011 erstmals sein Winter-Trainingslager dort aufschlug, war es schon Platz 114. Und aktuell im Jahr 2021 liegt es auf Platz 128 (von 180 Staaten). Die Bedingungen für die Medien haben sich also stark verschlechtert.

Die weiterhin – und offenbar zunehmend verstärkt – herrschenden repressiven Machtstrukturen verheißen nichts Gutes für die Entwicklung einer demokratischen Kultur. Der Politikwissenschaftler Eckart Woertz, Direktor des Hamburger GIGA Instituts für Nahost-Studien, urteilte denn auch in einem Interview mit der Deutschen Welle über die Wahlen und ihre Begleitumstände: „Insofern scheint mir der Schritt eher für die Weltöffentlichkeit, im Sinne einer Imagepflege, gedacht.“

Es geht um den schönen Schein, um eine freundliche Fassade für die Diktatur des Emirs. Ein Argument für ein WM-Turnier in Katar und gegen „BoycottQatar2022“ war diese Wahl jedenfalls nicht.

Bernd Beyer

Fortuna Düsseldorf: Verein und Fans kritisieren WM-Vergabe nach Katar

Verein und Fans bei Fortuna Düsseldorf haben sich im Juli 2021 nach Gesprächen und auf Basis der Vereinssatzung auf einen Schulterschluss rund um das Thema FIFA Weltmeisterschaft in Katar geeinigt. Das gemeinsam erarbeitete Positionspapier verdeutlicht die Haltung des Vereins zu diesem vieldiskutierten Thema.

 

Gemeinsames Positionspapier von Fans und Verein:

 

Der Verein Fortuna Düsseldorf und seine Fans stehen ein für Respekt, Vielfalt und Toleranz. Wir wenden uns entschieden gegen menschenverachtende Verhaltensweisen. So ist es in der Vereinssatzung und dem Selbstbildnis des Vereins festgeschrieben. Und deshalb geht uns alle die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 an.

Seit der Vergabe der WM im Dezember 2010 werden sowohl das Vergabeverfahren als auch die Entscheidung für Katar aus vielfältigen Gründen zu Recht von vielen Seiten, Menschenrechtsorganisationen, aber auch Fangruppierungen länderübergreifend kritisch bewertet. In Katar leben etwa zwei Millionen Arbeitsmigrant*innen. Auf den Baustellen der Stadien haben im Wesentlichen Migrant*in unter miserablen Arbeitsbedingungen hart gearbeitet. Nach Recherchen des britischen Guardian aus dem Februar 2021 starben seit der WM-Vergabe mehr als 6.500 Arbeitsmigrant*innen – vor allem im Zusammenhang mit Bauarbeiten für die WM. Im Gegensatz dazu gab das WM-Organisationskomitee der FIFA an, dass im gleichen Zeitraum „lediglich“ 34 Menschen auf den WM-Baustellen ums Leben kamen.

Die offensichtlichen Menschenrechtsverletzungen und die Ausbeutung der Migrant*innen sind nicht akzeptabel und weisen auf grundsätzliche Missstände im Land hin, die weiterhin thematisiert werden müssen. Obwohl das unmenschliche Kafala-System inzwischen formal abgeschafft wurde, kommt es nach wie vor - auch laut Amnesty International - zu schwerwiegenden Verletzungen von Arbeitnehmer*innenrechten.

Die Vergabe der WM an das Emirat im Jahre 2010 wird von Bestechungsvorwürfen begleitet, die auch Teil von Strafermittlungen sind. Nur durch erheblichen Einsatz von Energie und Rohstoffen und die Verlegung der Spiele in den Winter wird es überhaupt möglich sein, die WM dort stattfinden zu lassen.

Es ist an der Zeit, die Vergabepraxis für Weltmeisterschaften grundsätzlich zu hinterfragen. Es ist dringend notwendig, den Vergabeprozess so zu verändern, dass neben sportlichen und wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische und gesellschaftliche Positionen vergaberelevant werden. Hierbei müssen die Einhaltung der Menschenrechte sowie die Nachhaltigkeit der Veranstaltung notwendige Kriterien werden. Ein geeigneter Weg hierzu könnte aus unserer Sicht die Einbeziehung von NGOs in den Vergabeprozess sein. Im Fall der WM in Katar war dies offensichtlich nicht der Fall.

Wir sind davon überzeugt, dass Veränderungen in Gesellschaften nur von innen erfolgen können. Ein WM-Boykott der deutschen Nationalmannschaft ist aus unserer Sicht kein geeignetes Mittel, um für tatsächliche und nachhaltige Verbesserungen in Katar und notwendige Reformen bei der FIFA zu sorgen. Daher beziehen wir, das heißt der Verein Fortuna Düsseldorf gemeinsam mit seinen Fans, konsequent und eindeutig zu den vorhandenen Missständen Stellung. Wir halten es für absolut notwendig, dass sich der DFB konsequent und dauerhaft für die Achtung der Menschenrechte in Katar einsetzt.

Ferner erwarten wir von den Vertreter*innen des DFB in den Gremien der FIFA ein energisches Eintreten für eine nachhaltige Reform der Vergabepraxis von künftigen Fußball-Weltmeisterschaften.

Unabhängig davon, ob die WM in Katar stattfinden wird oder nicht, werden wir - der Verein Fortuna Düsseldorf, seine Mitglieder und seine Fans - weiterhin konsequent und weltweit für die Achtung der Menschenrechte eintreten. Wir wollen uns auch weiterhin über dieses Thema bis zur WM austauschen und fordern jeden engagierten Fußballfan auf, sich an diesem Diskurs zu beteiligen. 

 

Klare Mehrheit pro Boykott!

Eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap im Auftrage des Westdeutschen Rundfunks WDR ergab im Mai 2021: 65 Prozent der Befragten plädieren dafür, dass die deutsche Nationalmannschaft nicht zur WM 2022 nach Katar reist. Nur 26 Prozent sind für eine Teilnahme am Turnier. Auch unter den ausdrücklich Fußballinteressierten gibt es eine große Mehrheit für einen Boykott der WM aus Protest gegen die Zustände im Gastgeberland. 61 Prozent der Fußballfans sind dieser Meinung, nur 31 Prozent plädieren für die Teilnahme.

Die Dimap-Erhebung bestätigt die Ergebnisse anderer Institute zum gleichen Thema. Eine Erhebung der Voting-App FanQ im Auftrag des Sportinformationsdienstes sid ergab im März 2021 sogar, dass 84,5 Prozent vom DFB verlangen, die Teilnahme an der WM abzusagen.

Und im April ermittelte das Marktforschungsunternehmen Appinio eine Mehrheit von 64 Prozent für einen Boykott. Dafür, dass Firmen kein Sponsoring für die WM finanzieren sollten, sind demnach 76 Prozent der Deutschen.

ProFans fordert DFB zum Verzicht auf die WM 2022 auf

Das unabhängige Bündnis „ProFans“, eine bundesweite Interessenvertretung für aktive Fan- und Ultragruppen in Deutschland, hat im März 2021 folgende Erklärung für einen Verzicht auf die WM 2022 verabschiedet:

Nicht erst seit gestern erreichen uns Meldungen über menschenverachtende Bedingungen bei der Errichtung der WM-Infrastruktur in Katar. Schon vor sechs Jahren wies die IG Bauen-Agrar-Umwelt auf die hochgradig diskriminierenden und gefährlichen Verhältnisse für Arbeitsmigranten in Katar hin. Diese müssten ihre extrem kargen Löhne nicht nur unter ausbeuterischen Bedingungen und mangelnder Arbeitssicherheit verdienen, nicht nur in unwürdigen Unterkünften leben, sondern seien zudem faktisch rechtlos. So dürfen sie demnach ohne Genehmigung des Arbeitgebers nicht einmal in ihre Heimat zurückkehren.

Inzwischen melden Medien die Zahl von 6.700 toten Arbeitsmigranten auf den WM-Baustellen in Katar per Stand Mitte Februar. Alle sieben Stunden stirbt dort ein Arbeiter vom indischen Subkontinent. Es ist zu spät, diese Leben zu retten. Aber wir können nicht darüber hinwegsehen.

Der Sport verbindet Nationen, unabhängig von Politik, Weltanschauung und Religion. Es ist wichtig, diese Verbindungen zu erhalten und immer wieder zu erneuern. Aber hier geht es nicht um Fragen von Politik und Kultur, sondern hier geht es um Menschlichkeit, um das Recht auf Leben.

Wir wissen sehr wohl, dass viele Fußballfreunde den Spielen der deutschen Nationalmannschaft entgegenfiebern. Uns ist ebenso bewusst, dass eine Weltmeisterschaft für die Sportler der Höhepunkt ihrer Laufbahn schlechthin ist. Wir sind Fußballfans und lieben diesen Sport. Aber es gibt nichts, was es rechtfertigen könnte, die Menschenrechtsverletzungen in Katar hinzunehmen, ja, gar durch die Teilnahme am Turnier wissentlich, billigend zu unterstützen. Die Stimmen werden lauter, und ProFans stellt sich ganz klar an die Seite derer, die einen Boykott dieser Weltmeisterschaft für unumgänglich halten.

Wir fordern den DFB auf, die Teilnahme an der WM in Katar abzusagen.

Ein rauschendes Fußballfest auf den Gräbern von Tausenden Arbeitsmigranten – daran teilzuhaben, wäre das Ende von Ethik und Würde. Mit Entsetzen wenden wir uns davon ab. Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Fußball ist auch: gesellschaftliche und soziale Verantwortung. Wir sind sicher, andere werden dem Beispiel Deutschlands folgen. Will der DFB noch einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit behalten, muss er seine Teilnahme an diesem Turnier absagen, und zwar jetzt!

ProFans, im März 2021

6.500 tote Arbeitsmigrant*innen

Einem Bericht des "Guardian" zufolge, sind in den zehn Jahren, seit Katar den Zuschlag für die WM erhielt, insgesamt 6.500 zumeist asiatische, an Baustellen arbeitende Arbeitsmigrant*innen gestorben. Die Zeitung hat dies aus offiziellen Quellen ermittelt. Die wirkliche Zahl sei noch deutlich höher, da nicht aus allen Herkunftsländern der Arbeiter Statistiken vorliegen. Ein Großteil der Todesfälle ist als "natürlich" gekennzeichnet, resultiert aber aus der starken Arbeitsbelastung in großer Hitze.

https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-2022-ueber-6500-gastarbeiter-starben-seit-wm-vergabe-nach-katar-a-6fa6ea83-08ae-4151-bec8-b8ee2d2bda10?sara_ecid=soci_upd_wbMbjhOSvViISjc8RPU89NcCvtlFcJ

Erklärung von Bayern-Fans, die im Club Nr. 12 organisiert sind: Zur „Klub-Weltmeisterschaft“ in Katar

Vorbemerkung: Diese Erklärung wurde vom „Club Nr. 12“ anlässlich der Klub-WM im Februar 2021 in Katar verfasst. Sie enthält einige wertvolle (und bestürzende) Hinweise auf die aktuelle Situation der ausländischen Arbeiter in Katar. Schon deshalb ist diese Erklärung auch noch wichtig, wenn die Klub-WM längst vorbei ist.

 

Beim Blick in den „Spielplan“ ist uns kürzlich aufgefallen, dass der FC Bayern ab heute an der Klub-WM in Katar teilnimmt.

Fans sind zwar weiterhin kein Teil des aktuellen Fußballs, nichtsdestotrotz finden wir dies eine gute Gelegenheit, um euch - ziemlich genau ein Jahr nach unserer Veranstaltung "Katar, Menschenrechte und der FC Bayern - Hand auf, Mund zu?" im EineWeltHaus - darüber zu informieren, was sich seitdem getan – oder auch nicht getan hat.

Hauptbestandteil der Veranstaltung vom 16. Januar 2020 war eine Podiumsdiskussion mit zwei Wanderarbeitern ("migrant workers") aus Nepal, einem ehemaligen Mitarbeiter von Human Rights Watch sowie einem Fanvertreter. Die beiden Gäste aus Nepal schilderten damals eindrucksvoll, wie es ihnen und den anderen zahlreichen Gastarbeitern in Katar ergangen ist. Die Schilderungen wurden durch die Erfahrungen von Human Rights Watch zusätzlich untermauert.

Wir hatten auch gehofft, mit Mitarbeitern des FC Bayern darüber zu diskutieren, welchen Beitrag Vereine und Fans leisten können bzw. müssen. Schließlich wurde noch am 10. Januar des vergangenen Jahres auf der vereinseigenen Internetpräsenz "ein direkter Dialog", "in den stellvertretend FC Bayern Fans eingebunden werden können", angekündigt. Allerdings blieb unsere Einladung unerwidert und der Platz des FC Bayern somit leer.

Im Vorfeld der Podiumsdiskussion gab es zudem ein Treffen im Rathaus mit Stadträten verschiedener Parteien. Daraufhin forderten diese im März 2020 den Oberbürgermeister Dieter Reiter per Antrag dazu auf, sich in seiner Funktion als OB und Verwaltungsbeirat des FC Bayern, dafür einzusetzen, dass unser Verein das Emirat Katar u.a. öffentlich auffordert, detaillierte Daten zu Todesfällen von migrant workers zu veröffentlichen und unabhängig aufzuklären. Außerdem müsse man sich in einer schriftlichen Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards, auch in Geschäftsbeziehungen, bekennen, so die Forderung der Stadträte.

Ein positives Beispiel in dieser Hinsicht stellt der FC Liverpool dar. Im Nachgang zur Klub-WM 2019 (ebenfalls in Katar) veröffentlichte der Klub ein Statement, das als Eckpfeiler der Werte des Vereins dienen soll und einer Verpflichtungserklärung gleicht. Dieses beinhaltet unter anderem ein klares Bekenntnis zum "modern slavery act", der sich gegen Missstände wie Ausbeutung und Sklaverei innerhalb der gesamten Lieferkette richtet und mit welchem der Klub sich selbst und alle seine direkten Partner und Sponsoren dazu verpflichtet, sich an diese Mindeststandards zu halten und kontinuierlich zu überprüfen.

Leider war und ist nichts Vergleichbares von unserem Verein zu hören. Wir fordern daher den FC Bayern dazu auf, sich an seine Zusagen zu erinnern und den versprochenen Dialog endlich aufzunehmen.

Im Vorfeld dieser Stellungnahme haben wir uns nochmals mit migrant workern und Fachleuten zu der aktuellen Situation ausgetauscht. Trotz leichter Verbesserungen in manchen Bereichen hat sich an den grundsätzlichen Begebenheiten für die Arbeiter wenig verändert. Durch Corona hat sich die Situation der Arbeiter in Katar sogar noch einmal deutlich verschlechtert. Hunderten von ihnen wurde beispielsweise versprochen, man würde sie zum Corona-Test bringen. In Wirklichkeit aber wurden sie ohne Test festgenommen, in überfüllte Strafanstalten gesteckt und anschließend illegalerweise abgeschoben – nicht selten, ohne ihren Lohn zu erhalten und ohne ihr Hab und Gut an sich nehmen zu können. Auch bei der medizinischen Versorgung gibt es große Unterschiede zwischen Wanderarbeitern und "Vorgesetzten". Wie viele migrant workers an Corona verstorben sind, ist mangels fehlender Angaben der katarischen Regierung nicht bekannt.

Trotz der wiederholten Ankündigung der Abschaffung des Kafala-Systems vom letzten Herbst - mit zehn Jahren nach der WM-Vergabe an Katar reichlich spät – bleiben viele Zweifel, vor allem weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass die neuen Gesetze kaum angewendet werden. Und nach Ansicht von Experten wie z.B. Amnesty International bleiben auch weiterhin ausbeuterische Elemente des Kafala-Systems bestehen.

Außerdem protestierten bereits nach wenigen Wochen die Arbeitgeber, die nun nicht mehr gänzlich über die Wanderarbeiter hätten verfügen können. Konsequenz daraus war, dass zunächst das ministerielle Formular, über welches migrant workers einen Jobwechsel beantragen konnten, nur noch schwerlich erreichbar war, während nun de facto ein sogenannter "resignation letter", welcher der Zustimmung und Unterschrift des Arbeitgebers bedarf, von Nöten ist. Der Jobwechsel wurde also wieder deutlich erschwert. Mittlerweile raten sogar die Botschaften aus den Herkunftsländern der migrant workers dazu, einen Jobwechsel nur dann zu beantragen, wenn Gefahr für das eigene Leben bestehe. Solange dies nicht der Fall sei und die Arbeiter Gehalt empfangen, solle der Antrag auf Wechsel des Arbeitsverhältnisses vorsichtshalber nicht gestellt werden.

Auch das Thema der Anwerbung der Wanderarbeiter steht weiterhin in der Kritik. Hierbei werden die Arbeiter in ihren Heimatländern mit falschen Versprechungen und gegen Zahlung einer hohen Gebühr (der sogenannten "recruitment fee") von ca. 2.000 € nach Katar gelockt. Die Regierungen Katars und der betroffenen Heimatländer unternehmen nicht nur viel zu wenig gegen diese Praxis, sie hat sich durch Corona sogar noch verschlimmert. Aktuell gibt es in Katar deutlich weniger Arbeit als vor Corona – dies nutzen die Anwerber aus und verlangen noch höhere Gebühren als zuvor. Derzeit werden Arbeiter angeworben, die für die katarischen Sicherheitsbehörden arbeiten sollen. Diese vermeintlich attraktiven Jobs lassen sich die Vermittler noch teurer bezahlen, bis zu 5.700 € kostet einen Wanderarbeiter ein Arbeitsplatz im Sicherheitsapparat in Katar. Der Staat Katar schiebt dabei die Verantwortung an die jeweiligen Herkunftsländer ab und weigert sich somit, gegen diese illegale Praxis vorzugehen.

Der FC Bayern als weltweit bekannte Größe hätte diesbezüglich die Möglichkeit, gegenüber dem Staat Katar einer Abschaffung dieser und der weiteren menschenverachtenden Gegebenheiten den nötigen Nachdruck zu verleihen. Die Partnerschaften mit dem Hamad International Airport und Qatar Airways, beiderseits vollständig in Hand des Emirats Katar, erfordern zudem umso deutlicher eine unmissverständliche Ablehnung solcher Praktiken. Wie Präsident Hainer letzte Woche anlässlich des "Nie wieder!"-Erinnerungstages noch einmal deutlich machte, "blickt der FC Bayern nicht nur auf eine lange, sportlich erfolgreiche Tradition zurück – sondern er ist seit seiner Gründung vor nun fast 121 Jahren auch für seine tolerante und liberale Weltanschauung bekannt". Karl-Heinz Rummenigge ergänzte, "dass unsere Fans diese Weltanschauung teilen" und so sollte es eine absolute Selbstverständlichkeit sein, sich als FC Bayern (ähnlich wie der FC Liverpool) zu den Menschenrechten zu bekennen und zu verpflichten.

Dieser Meinung sind auch die beiden nepalesischen migrant workers, die wir letztes Jahr im Rahmen der Podiumsdiskussion als Gäste begrüßen durften und die wir nochmal nach ihren Erwartungen und Wünschen fragten. Vom FC Bayern würden sie erwarten, dass sich die Vereinsoffiziellen auch Erfahrungsberichte von Wanderarbeitern persönlich anhören und nicht nur die der staatlichen Stellen. Nur durch direkten Kontakt mit tatsächlichen Betroffenen, könne man sich ein Bild von der Realität machen. Wenn der Verein es wirklich schaffen sollte, sich in Katar für die Rechte von Wanderarbeitern einzusetzen und damit grundlegende Reformen anzustoßen, würde er als Best-Practice-Beispiel in der Welt vorangehen können und allen zeigen, dass ihm Menschen- wie auch Arbeiterrechte tatsächlich am Herzen liegen.

Die passende Zusammenfassung lieferten sie gleich mit:

"Football has the power to bring people together, but it's vitally important that we, as fans, be informed about how the game we love is brought to us."

Am Ende täten wir gut daran, uns als FC Bayern diesen Satz stets in Erinnerung zu rufen.

Statement der Initiative BoycottQatar2022
zur Klub-WM 4.-11. Februar 2021 in Katar

Die Anfang Februar in Katar geplante FIFA-Klub Weltmeisterschaft stößt bei der Fan-Initiative „BoycottQatar2022“ (BQ2022) auf scharfe Kritik. Durch diesen sportlich unbedeutenden Wettbewerb wird die Gesundheit der Spieler, die in dieser Saison ohnehin über alle Maßen gefordert sind, zusätzlich und völlig überflüssig gefährdet.

Vor allem aber ist der Austragungsort Katar nicht akzeptabel. Demokratische Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, freie Religionsausübung oder Freiheit der sexuellen Orientierung gelten in Katar nicht oder nur sehr eingeschränkt. Die Arbeitsbedingungen der zahlreichen Migrant*innen sind sklavenähnlich. Das Land steht in dem Verdacht, islamistische Terrorgruppen zu finanzieren. Eine in der Bevölkerung verankerte Fußballkultur gibt es nicht. Sportliche Großereignisse wie diese Klub-WM und die Weltmeisterschaft 2022 werden vor allem aus Imagegründen gesponsert. Für die FIFA sind offenbar ausschließlich finanzielle Gründe ausschlaggebend, nicht das Wohl der Spieler, die Interessen der Fans oder die Bewahrung von Menschenrechten.

Aus diesen Gründen ruft die Initiative BQ2022 alle Fans und Medien – insbesondere die Anhänger des FC Bayern München – dazu auf, die Klub-WM aus Protest zu ignorieren und sich die Spiele auch nicht im Fernsehen anzuschauen.

 

Kontakt zur Initiative BoycottQatar2022:

info@boycott-qatar2022.de

www.boycott-qatar2022.de

www.boycott-qatar.de

https://www.facebook.com/boycottqatar2022

Diese Stellungnahme wurde für die Initiative BQ2022 gemeinsam verfasst von Vertreter*innen folgender Fangruppen: Schalker Fan-Initiative, FC Ente Bagdad Mainz, Gesellschaftsspiele Berlin, KSC-Fans gegen Nazis sowie Fortuna Brötchen Düsseldorf.

Zum pdf-Download.

Lesestoff!

Das wunderbare Fußballmagazin ballesterer hat schon des Öfteren kritisch über Katar und die WM berichtet. Alle Beiträge, die im ballesterer zu diesem Thema erschienen sind, wurden von der Redaktion nun zusammengefasst und können über den folgenden Link erreicht werden. Guter Lesestoff für graue Tage!

https://ballesterer.at/tag/katar/

Katar und Homophobie

„Der wichtigste Grund gegen eine Fußballweltmeisterschaft in Katar ist die homophobe Gesetzgebung des islamischen Regimes“. Zu dieser Ansicht kommt der Autor Benjamin Weinthal in einem neuen Artikel auf der Homepage „Gay City News“ aus New York. 

Weinthal erinnert daran, dass „Sodomie“ in Katar mit mehrjährigen Gefängnisstrafen bedroht ist. Auch Auspeitschungen und sogar Hinrichtungen könnten nach den Regeln der Scharia vorgenommen werden. Der WM-Cheforganisator Hassan Al Thawadi hat vor einigen Monaten homosexuelle Besucher der WM aufgefordert, ihre Zuneigung in Katar nicht öffentlich zu zeigen. Das „gehört nicht zu unserer Kultur“. Anders gesagt: Herr Al Thawadi verlangt von den Besuchern, auf eine homophobe Kultur Rücksicht zu nehmen.

In einer Untersuchung von Reiseländern wurde laut Weinthal Katar als das zweitgefährlichste Land für die LGBTQ-Gemeinde genannt (hinter Nigeria, vor Jemen und Saudi-Arabien). Fazit von Weinberg: Es sei überfällig, dass die Sportverbände wie die FIFA damit aufhören, „Nationen zu belohnen, die die Homosexualität kriminalisieren“.

https://www.gaycitynews.com/strip-qatars-homophobic-regime-of-the-2022-world-cup-now/

Schon ein paar Monate alt, aber dennoch interessant (und auf deutsch) zum gleichen Thema:

https://www.queer.de/detail.php?article_id=35158

Arbeitsreformen in Qatar

Nach anhaltender Kritik durch internationale NGO's hat Katar am 30. August 2020 weitere Reformen zugunsten von Arbeitsmigranten angekündigt. Demnach dürfen künftig ausländische Arbeiter ihren Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln. Das umstrittene, sklavenähnliche "Kafala"-System wird damit weiter abgebaut. Außerdem wird ein Mindestlohn von 1.000 Rial (230 Euro, entspricht 1 Euro pro Arbeitsstunde) eingeführt. Amnesty international, das durch seine Tätigkeit wesentlich dazu beigetragen hat, dass Katar sich zu diesen Reformen gezwungen sieht, kommentiert die Maßnahmen vorsichtig positiv, weist aber auch auf weitere Probleme hin. 
Lest dazu den Beitrag von Amnesty International.

OLYMPIA IN KATAR?

Marathon in der Wüste? Katar hat gute Chancen, 2032 die Olympischen Sommerspiele auszurichten. Warum das so ist, erklärt Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung.
Lest dazu den Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 28. Juli 2020.

SIEG FÜR KATAR

Beim Champions-League-Finale in Lissabon gab es nicht nur die Bayern als Sieger. Der Gewinner hieß zugleich Katar. Und das wäre auch so gewesen, wenn es sportlich anders herum ausgegangen wäre. Jens Weinreich erklärt auf Spiegel-online, warum das so ist.
Lest dazu den Beitrag des SPIEGEL vom 23. August 2020.

Amnesty kritisiert Verbände

Katar-Expertin Regina Spöttl von Amnesty International fordert von den Fußball-Verbänden und -Vereinen eine klarere Haltung in Bezug auf die Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland der WM 2022.
Lest dazu den Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 14. Juni 2020.

QATAR: ANKLAGE IN USA

US-Strafermittler sind davon überzeugt, nachweisen zu können, dass beim Zuschlag für die WM-Turniere 2019 und 2022 Bestechung im Spiel war. Eine entsprechende Anklage wird vor einem New Yorker Gericht erhoben.
Lest dazu den Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 7. April 2020.

Fußball im Herbst

FC BayeRN und Katar

In München hat im Januar eine Veranstaltung stattgefunden, die sich kritisch mit der Connection zwischen dem FC Bayern und Katar befasste. Veranstalter war der Club Nr. 12, ein unabhängiger Zusammenschluss aktiver Bayern-Fans.
Lest dazu den Bericht der Süddeutschen Zeitung.